Mit Ostern endet auch die alljährliche Starbierzeit wieder. Aus diesem Grund wollte ich noch einen Blogartikel zu diesem Thema veröffentlichen.
Doppelbock (ein spezielles Fastenbier/Starkbier)
Doppelbock ist eine stärkere und meist dunklere Version des bayerischen Bockbiers. Es ist außergewöhnlich malzig und nicht bitter. Doppelbock-Biere enthalten in der Regel nicht weniger als 7 Vol.% Alkohol und maximal 10 bis 13%.
Verwandte Biersorten sind das Bockbier, der Maibock, der Eisbock, der Weizenbock, der Weizendoppelbock und der Weizeneisbock.
Doppelbock wurde erstmals im späten achtzehnten Jahrhundert hergestellt, als Abwandlung des alten klösterlichen Starkbiers (das “flüssige Brot” der Mönche), das traditionell in der Fastenzeit gebraut wird. Da die Mönche nach den strengen Regeln ihres Ordens lebten, waren sie regelmäßig dazu aufgefordert, zu fasten. Die längste und anstrengendste dieser Perioden der kulinarischen Enthaltsamkeit war natürlich die österliche Fastenzeit, die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag. Und weil die Mönche der Meinung waren, dass Flüssigkeiten nicht nur den Körper, sondern auch die Seele reinigen, nahmen sie davon reichlich zu sich. Da die Mönche gesellschaftliche Vorbilder waren, tat es ihnen das Volk in dieser Zeit gleich: die weltliche Version des Starkbiers wurde und wird Bockbier genannt.
Das erste Starkbier wurde von Paulaner Mönchen im Kloster Neudeck ob der Au in München gebraut. Die Paulaner waren ursprünglich aus Italien, waren aber seit 1627 auch in München vertreten. Kurz danach begannen sie mit dem Bierbrauen für ihren Eigenverbrauch. Die Paulaner spürten jedoch, dass ein so starkes Gebräu mit solch schönen Qualitäten vielleicht etwas “zu gut” für die Fastenzeit sein könnte. Aus diesem Grund baten sie den Heiligen Vater in Rom um eine Ausnahmegenehmigung, um weiterhin mit gutem Gewissen Bier brauen zu können. Die Paulaner verschickten in der Fastenzeit ein Fass Bier nach Rom zum Papst. Während des Transports über die Alpen und in der brennenden Sonne Italiens erhitzte sich das Bier jedoch und wurde sauer. Als der Papst also das Bier kostete, befand er es für ungenießbar und entschied, dass die Münchner Mönche ruhig mit bem Brauen dieses Bieres fortfahren könnten.
Es ist anzunehmen, dass der Doppelbock der Paulaner-Mönche im Laufe der Jahre stärker geworden ist. ein faires vermuten, dass die Paulaners “Fastenopfer” flüssiges Brot “stärker geworden im Laufe der Jahre. Jedoch ist nicht genau klar, wann genau es die Stärke erreichten, die wir heute mit einem Doppelbock assoziieren.
Das stärkste ihrer Doppelbock-Biere nannten sie schlussendlich “Salvator”.
Obwohl ursprünglich nur für den Eigenverbrauch bestimmt, sieht es ganz danach aus, als hätten die Paulaner etwas ihres Biers an die Bevölkerung gegen Geld abgegeben. Genau genommen hätte es dafür jedoch einer Erlaubnis der örtlichen Behörden bedarft, die die Paulaner nicht besaßen. Bald kamen auch Beschwerden von Seiten der Bevölkerung über die Trunkenheit der Mönche, die sich in der Nähe des Klosters aufhielten.
Erst im Jahre 1780 bekamen sie von Kurfürst Karl-Theodor die offizielle Erlaubnis, Bier an die Öffentlichkeit auszugeben.

Salvator
Allerdings war die Freude darüber nur von kurzer Dauer, denn im Jahre 1799 entschied Napoleon Bonaparte im Zuge seiner Säkularisation, dass das Kloster aufgelöst und die Brauerei vom Staat konfisziert werden sollte. Napoleons Entscheidungen, die von der Aufklärung beeinflusst wurden, wurden getroffen, um seine strikte Trennung zwischen Kirche und Staat zu schaffen. Anders als in der Vergangenheit war es der Kirche von nun an nicht mehr erlaubt, Eigentum zu besitzen, Steuern zu erheben oder Geschäfte zu tätigen.
Die Paulaner Brauerei blieb bis 1806 ungenutzt, als dann der “zivile” Baumeister Franz Xaver Zacherl, der die Münchner Hellerbräu Brauerei besaß. 1813 erworb er dann die Paulaner Brauerei vollständig. Und wie die Mönche vor ihm geriet er sofort in Konflikt mit dem Gesetz, da die Bevölkerung die Brauerei nicht guthieß.
Bald jedoch schon verbesserte sich Zacherls Lage: Seine Majestät selbst, König Ludwig I. von Bayern erließ am 25. März 1837 eine Verordnung zu Gunsten der Paulaner Brauerei. “Solange ich nicht anders verordne”, verkündete der König, “werden die Behörden hiermit ermächtigt, eine jährliche Genehmigung für die Abgabe von Salvator Bier zu erteilen. Reguläre Öffnungszeiten müssen eingehalten werden, aber es dürfen keine Steuern erhoben werden, da dieses Bier als Luxusgut angesehen werden muss.” Da er mit dem König einen Freund an höchster Stelle gefunden hatte, braute Zacherl bis zu seinem Tod im Jahr 1848 weiterhin den Salvator Doppelbock.
Schon bald fand der Salvator Bock viele Nachahmer. Im Jahre 1890 verkauften schon sehr viele Brauereien ihr Starkbier unter dem Namen “Salvator”. Am 12. Januar 1894 trat das Patentrecht in Kraft und die Gebrüder Schmederer (die damaligen Besitzer der Paulaner Brauerei) konnten ihren Namen schützen lassen. Die anderen Brauereien mussten daraufhin ihr Salvator-Bier umbenennen. Interessant hierbei ist, dass nahezu alle Brauereien einen Namen wählten, der auf “-ator” endete.
Das Original Paulaner Salvator wird noch immer vor Ort gebraut. Das Bier wird im tiefsten Bierkeller der Welt gelagert, bevor es in die ganze Welt exportiert wird. Noch immer strömen zahlreiche Münchner zum jährlichen Starkbieranstich auf den Nochkerberg.